Besonders eindrucksvoll sind die Gesänge der Muezzine in den Städten des Westjordanlandes. Zu den Gebetszeiten hört man zunächst, wie von mindestens 30 verschiedenen Moscheen zum Gebet gerufen wird. Eine prächtige Geräuschkulisse, die sich am Schluss hin lichtet und das Ganze durch den Gesang eines einzelen Muezzins perfekt abrundet.
Kategorie: Islamwissenschaft/Islam und Recht
Islamisten gegen Hamas: Salafisten in Gaza
Im Zuge der jetzigen Eskalation in Nahost werden maßgeblich Mitschuldige an der derzeitigen Situation äußerst wenig betrachtet: salafistische Milizen. Denn hinter den terroristisch motivierten Raketenangriffen auf Israel in den letzten Tagen stehen meist al-Qaida Gruppierungen, die auf der einen Seite Israel als ihren Feind ansehen, aber auch die Hamas radikal bekämpfen. „Islamisten gegen Hamas: Salafisten in Gaza“ weiterlesen
Ein später Arabischer Frühling für Palästina?
Die Demonstrationen von Tausenden Palästinensern gegen steigende Lebensmittel- und Benzinpreise haben die Herrschenden in Ramallah aufgeschreckt: Die wirtschaftlich angeschlagene Regierung Fajad gerät zunehmend unter Druck und in Erklärungsnot. Steht Palästina vor einem Umbruch wie in anderen Staaten des Arabischen Frühlings? Von Fabian Schmidmeier (klick here for English version) (عربي) „Ein später Arabischer Frühling für Palästina?“ weiterlesen
Aleppo: Endschlacht um Syrien?
Vor rund zwei Monaten noch schien die Armee Baschar al-Assads der Lage in Syrien Herr zu werden. Zu schwach war die aufständische Freie Syrische Armee und die kleinen lokalen Milizen. Doch inzwischen scheint sich zu bewahrheiten, was viele Beobachter des Konfliktes lange befürchtet haben, nämlich eine massive Radikalisierung und Konfessionalisierung. War es einst eine gesamtsyrische Bewegung, die neben der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit auch Alawiten, Christen und Drusen umfasste, so ist dieses anfängliche Erscheinungsbild längst einem oftmals radikal-sunnitischem gewichen. Doch diese Hinwendung eines großen Teiles der bewaffneten Opposition zu konservativ-islamischen Positionen scheint auch eins mit sich zu bringen: Stärke.
Längst bekommen Assads Truppen weite Teile des Landes nicht mehr unter ihre Kontrolle, kann der Präsident nicht mehr von einer terroristischen Minderheit sprechen, die man schnell besiegen könne. Es war ein massiver Schlag gegen das syrische Baath-Regime, „Aleppo: Endschlacht um Syrien?“ weiterlesen
Wissenschaftliche Arbeit: Die Iranischen Revolutionsgarden
„Anfang 1979 überschlugen sich im Kaiserreich Iran die Ereignisse. Der Unmut in der Bevölkerung gärte lange. 1979 gelang es einer vereinten Opposition das Regime des Moḥammad-Reżā-Šāh Pahlavī zu stürzen. Da der große Oppositionsführer mit Ruḥollāh Ḫomeinī ein islamischer Geistlicher und ein großer Teil der Bewegung gegen das bestehende System islamisch geprägt war, entwickelte sich die Revolution zu einer explizit islamischen Revolution. Nach der Rückkehr des Ayatollah aus seinem französischen Exil am 1. Februar 1979, begann für den Iran ein neues Kapitel in seiner Geschichte. Um die bisherigen Errungenschaften dieser Revolution zu schützen, brauchte Ḫomeinī ein militärisches institutionelles Organ.“
Heutzutage gelten die Iranischen Revolutionsgarden (pers.Pāsdārān) bezeichnet, vielfach als die eigentlichen Machthaber im Iran und somit als eine Institution, die mit der Zeit die Schaltzentralen der Macht in der Islamischen Republik erfolgreich unterwandern konnten. Was hat es mit diesen Thesen auf sich? In wieweit konnten die Revolutionsgarden ihren Einfluss auf Wirtschaft und Politik ausbauen? Welchen Machtfaktor haben diese im Iran, der derzeit im Fokus der Weltöffentlichkeit steht?
Die wissenschaftliche Arbeit Revolutionäre Militärinstitutionen in der Islamischen Republik Iran, Entstehung-Entwicklung-Aktionsfelder soll darüber Aufschluss geben.
Gliederung:
1.1 Begriffe
1.2 Der historische Kontext
2. Die Entstehung der Revolutionsgarden
3. Die Entwicklung der Pāsdārān nach der Revolution bis zum Ende des ersten Golfkrieges
4. Die Basīǧ-e Mostaẓʿafīn und die Entwicklung der Pāsdārān nach dem Ende des 1. Golfkrieges
4.1 Die Gründung der Basīǧ
4.2 Die Entwicklung der Organisationsstruktur der Pāsdārān
4.3 Die Entwicklung von Teilstreitkräften
4.3.1 Die Luftwaffe der Pāsdārān
4.3.2 Die Marine der Pāsdārān
4.3.3 Die Qods-Einheit und der „Export der Revolution“
4.4 Die Rolle der Pāsdārān in der iranischen Wirtschaft
4.5 Der Einfluss der Pāsdārān in den Medien
4.6 Die Rolle der Pāsdārān in der Politik
5. Schluss: Gibt es eine Pāsdārānisierung?
6. Literaturverzeichnis
Die Arbeit gibt es hier als PDF
1. Einleitung: Begriffserklärung „Pāsdārān“ und die Islamische Revolution
1.1 Begriffe
Diese Hausarbeit trägt den Titel „Revolutionäre Militärinstitutionen in der Islamischen Republik Iran“ und handelt maßgeblich von den iranischen Revolutionsgarden. Der persische Name dieser Garden ist Sepāh-e Pāsdārān-e Enghelāb-e Eslāmi oder abgekürzt Sepāh. Gebräuchlicher ist aber der informelle Name Pāsdārān. Daher werden in dieser Arbeit hauptsächlich die Begriffe Pāsdārān oder Revolutionsgarde, beziehungsweise Revolutionsgarden im Plural verwendet. In englischen Zitaten findet man hingegen die Bezeichnungen Islamic Revolutionary Guard Corps, Iranian Revolutionary Guard Corps oder abgekürzt IRGC. Untersucht wurden Entstehung, Entwicklung und Aktionsfelder der Pāsdārān seit ihrer Entstehung im Jahre 1979 bis in die Zeit der Präsidentschaft von Maḥmūd Aḥmadī-Nežād.
1.2 Der historische Kontext
Anfang 1979 überschlugen sich im damaligen Kaiserreich Iran die Ereignisse. Der Unmut in der Bevölkerung gärte lange. 1979 gelang es einer vereinten Opposition das Regime des Moḥammad-Reżā-Šāh Pahlavī zu stürzen. Da der große Oppositionsführer mit Ruḥollāh Ḫomeinī ein islamischer Geistlicher war und ein großer Teil der Bewegung gegen das bestehende System islamisch geprägt war, entwickelte sich die Revolution zu einer explizit islamischen Revolution. Nach der Rückkehr des Ayatollah aus seinem französischen Exil am 1. Februar 1979, begann für den Iran ein neues Kapitel in seiner Geschichte. Um die bisherigen Errungenschaften dieser Revolution zu schützen, brauchte Ḫomeinī ein militärisches institutionelles Organ.[1]
2. Die Entstehung der Revolutionsgarden
Nach dem Sturz von Moḥammad-Reżā-Šāh Pahlavī verfasste Ruḥollah Ḫomeinī im Mai 1979 ein Dekret zur Gründung einer paramilitärischen Organisation zum Schutze der Errungenschaften der Revolution.[2] In dieser Volksarmee wurden Angehörige verschiedener islamistischer Milizen und paramilitärischer und revolutionärer Gruppen, welche sich aus religiös-fundamentalistischen Jugendlichen vom Land und islamisch geprägten Studenten zusammensetzten, zusammengefasst. Kenneth Katzman schreibt hierzu: „The Revolutionary Guard was initially an amorphous conglomeration of local, independent groupings of urban guerrillas, clerical militias, army defectors, and other pro-Khomeini militants that helped solidify the streets for Khomeini following the victory of the revolution.”[3] Die Gesamtstärke der Pāsdārān umfasste in dieser Anfangszeit etwa 10000 Mann.[4] Die Rolle der Revolutionsgarden wurde in der neuen Verfassung des Iran (1979) festgeschrieben. Nach Artikel 150 bleibt „Das Korps der Wächter der Iranischen Revolution (…)zur Fortsetzung seiner Aufgabe als Hüter der Revolution und ihrer Errungenschaften weiter bestehen“.[5] Die Pāsdārān waren von Anfang an der militärische Arm der Revolution. Ihre Aktionen richteten sich gegen die im Land verbliebenen Angehörigen des ehemaligen Šāh-Regimes, aber auch gegen jene Kräfte der einstigen Opposition, welche nicht mit Ḫomeinīs Vorstellungen einer islamischen Regierung konform gingen. Nach dem Sturz des Šāhs herrschte im Iran eine Art Machtvakuum, in dem die Zukunft der Staatsform noch ungewiss schien. Bei der Durchsetzung von Ḫomeinīs Konzept des velayāt-e faqīh und als Gegengewicht zur alten Armee des Šāhs sollten die Revolutionsgarden daher eine wichtige Rolle einnehmen. [6] Eine Zäsur in der Geschichte bildete der Iran-Irak-Krieg in den Jahren 1980 bis 1988. Dieser war der Ausgangspunkt für eine Entwicklung der Pāsdārān zu dem, was wir heute kennen.[7]
3. Die Entwicklung der Pāsdārān nach der Revolution bis zum Ende des ersten Golkrieges
Von Anfang an kämpfte das neue iranische Regime um sein Überleben. In verschiedenen Landesteilen gab es Erhebungen ethnischer Minderheiten wie den Balutschen, Kurden oder Turkmenen. Als sich 1981 die Moǧāhedīn-e Ḫalq von Ḫomeinī lossagten, entstand im Iran eine neue Front, an der die Revolutionsgarden eingesetzt wurden.[8] Allein in den Kurdengebieten wurden etwa 5000 aufständische Kämpfer getötet und circa 1200 Zivilisten ermordet.[9] Hier geht’s zur kompletten Arbeit…
Interview mit Gudrun Krämer: „Ein ziviler Staat mit islamischem Referenzrahmen“

Die Bilder gingen um die Welt, als in den arabischen Staaten die Menschen zu Hunderttausenden auf die Straßen strömten und den Sturz ihrer Herrscher forderten. Westliche Staatschefs wussten nicht so recht, wie sie die neuen Ereignisse einordnen sollten. Waren dies nur vorübergehende Erscheinungen oder doch erste Anzeichen eines historischen Umbruchs im Vorderen Orient? Könnten am Ende solcher Umwälzungen liberale Demokratien, regionalspezifische Mischsysteme oder doch eine Renaissance islamischer Orthodoxie stehen? Folgt in Ägypten jetzt die Machtübernahme der im Westen oft gefürchteten Muslimbruderschaft?
Eine Kennerin dieser Region ist die Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Gudrun Krämer. Im Rahmen eines Vortrages über die Muslimbruderschaft konnten zwei Redakteure der Studierendenzeitung Akon des Arbeitskreises Orient der Otto-Friedrich Universität Bamberg, Gudrun Krämer zu den aktuellen Ereignissen in Ägypten und der zukünftigen Rolle der Muslimbrüder befragen. (Zum Parteiprogramm geht’s hier)
Fabian Schmidmeier:Frau Krämer, wie haben Sie die Revolutionen in Ägypten und den anderen arabischen Staaten erlebt? Man hatte bei den Reaktionen der westlichen Staatschefs das Gefühl, dass diese Revolten sie kalt erwischten und niemand wirklich damit gerechnet hatte. Haben Sie es für möglich gehalten, dass sich eine Revolution anbahnt? „Interview mit Gudrun Krämer: „Ein ziviler Staat mit islamischem Referenzrahmen““ weiterlesen
Ägypten: Kommt jetzt die dritte Revolution?

„Irhal“ steht auf eine Wand gesprüht. Auf Deutsch heißt dies so viel wie „verschwinde!“. Das Graffiti stammt aus den Tagen der Ägyptischen Revolution, die vor gut einem Jahr, inspiriert durch die Ereignisse in Tunesien, ausbrach. Was lange gärte ward endlich Wut. In den dreißig Jahren seiner Herrschaft hatte Mubarak vor allem durch Korruption, Vetternwirtschaft und Repression gegen politisch Andersdenkende den Zorn des 80 Millionen Einwohner zählenden arabischen Landes auf sich gezogen. Von einer Wirtschaftsreform profitierte nur eine kleine Elite, Energie- und Lebensmittelpreise stiegen drastisch, ein Großteil der Bevölkerung war bereits unter das Existenzminimum gerutscht. Als ein Bekannter von mir nach einjährigem Auslandsaufenthalt in der Hauptstadt Kairo nach Deutschland zurückkehrte, meinte er zu mir „…da braut sich etwas Gewaltiges zusammen. Ein Funke und es gibt einen riesigen Knall!“. Er sollte recht behalten. Am 25. Januar diesen Jahres setzte sich ein riesiger Protestzug in Bewegung. In allen Städten Ägyptens kam es zu Kundgebungen und schließlich zu einer Eskalation, teilweise mit bürgerkriegsähnlichen Szenen. Doch die Übermacht des Volkes konnte niemand aufhalten. Mubarak musste abdanken, das Militär übernahm von nun an die Macht und verkündete den Ägyptern einen Demokratisierungsprozess und Parlamentswahlen abhalten zu wollen. Doch seit einigen Tagen stehen erneut Zelte auf dem Tahrirplatz, Zehntausende Menschen gehen auf die Straße und fordern den Rücktritt des Militärregimes und die vollständige Abtretung der Macht an ein Parlament. Wiederholen sich nun die Ereignisse? Steht Ägypten einer neuen, einer dritten Revolution bevor? Falls ja, welche Gruppierungen werden als Sieger hervorgehen, etwa die vom Westen oft gefürchtete Muslimbruderschaft oder gar radikale Salafisten?
Orientkolloq hat versucht die Ereignisse grob chronologisch zu ordnen und für eine Prognose mit einer Augenzeugin der ersten Revolution und der renommierten Historikerin und Leiterin des Lehrstuhles für Islamwissenschaft der FU Berlin, Frau Prof. Dr. Gudrun Krämer, gesprochen. „Ägypten: Kommt jetzt die dritte Revolution?“ weiterlesen