Das Tote Meer nach dem Regen

Unwetter können in der Levante ein eindrucksvolles Spektakel werden. Im Sinai Beispielsweise und auch in den bergigen Teilen des Negev hallen die Donner mit einer Lautstärke, die einem Respekt vor den Naturgewalten einflößt. So wundert es einen dann nicht mehr, wenn in der Tora immer wieder von Blitz und Donner die Rede ist, als Moses die Gesetzestafeln von Gott erhält. JHWH war nämlich einst ein regionaler Wettergott, ähnlich wie Baal in der syrischen Gegend. Ein mystischer Ort ist auch das Tote Meer. Mitten in der Wüste gelegen bietet die Gegend mit Matzada und Qumran für Juden und Christen wichtige religiöse und religionsgeschichtliche Stätten, war doch das Ufer nicht ohne Grund immer wieder Niederlassungspunkt apokalyptischer Sekten und messianischer Bewegungen.

Jemen: Republikanische Garde bombardiert Zivilisten

Offiziell ist der einstige jemenitische Diktator Saleh von allen Ämtern zurückgetreten, doch sein Familienclan hält mit der politischen Gefolgschaft das Land im Würgegriff. Salehs Sohn, der Oberbefehlshaber der Republikanischen Garde, lässt nun willkürlich jemenitische Städte bombardieren, vor allem Gegenden, in denen ausschließlich Zivilisten sind. Folgende Aufnahmen stammen vom 04. Dezember diesen Jahres aus der Stadt Taiz. Sie lassen erahnen, welchen Terror die Zivilbevölkerung dieser Tage ertragen muss.

Einen ausführlichen Artikel über Jemen und den Arabischen Frühling können Sie hier lesen

Interview mit Gudrun Krämer: „Ein ziviler Staat mit islamischem Referenzrahmen“

Während der Revolution versammelten sich tausende Gläubige auf dem Tahrir-Platz zum Gebet

Die Bilder gingen um die Welt, als in den arabischen Staaten die Menschen zu Hunderttausenden auf die Straßen strömten und den Sturz ihrer Herrscher forderten. Westliche Staatschefs wussten nicht so recht, wie sie die neuen Ereignisse einordnen sollten. Waren dies nur vorübergehende Erscheinungen oder doch erste Anzeichen eines historischen Umbruchs im Vorderen Orient? Könnten am Ende solcher Umwälzungen liberale Demokratien, regionalspezifische Mischsysteme oder doch eine Renaissance islamischer Orthodoxie stehen? Folgt in Ägypten jetzt die Machtübernahme der im Westen oft gefürchteten Muslimbruderschaft?

Eine Kennerin dieser Region ist die Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Gudrun Krämer. Im Rahmen eines Vortrages über die Muslimbruderschaft konnten zwei Redakteure der Studierendenzeitung Akon des Arbeitskreises Orient der Otto-Friedrich Universität Bamberg, Gudrun Krämer zu den aktuellen Ereignissen in Ägypten und der zukünftigen Rolle der Muslimbrüder befragen. (Zum Parteiprogramm geht’s hier)

Fabian Schmidmeier:Frau Krämer, wie haben Sie die Revolutionen in Ägypten und den anderen arabischen Staaten erlebt? Man hatte bei den Reaktionen der westlichen Staatschefs das Gefühl, dass diese Revolten sie kalt erwischten und niemand wirklich damit gerechnet hatte. Haben Sie es für möglich gehalten, dass sich eine Revolution anbahnt? „Interview mit Gudrun Krämer: „Ein ziviler Staat mit islamischem Referenzrahmen““ weiterlesen

Klezmer an der Stadtmauer

Das Wort „Klezmer“ stammt vom hebräischen כלי זמר (Ausspr. kley zemer) für „Musikinstrument“, das über die Sprache derosteuropäischen Juden, das Jiddische, auch in unserem Sprachraum bekannt wurde. Die Klezmermusik entstand bereits im 15. Jahrhundert als nichtliturgische jüdische Musik und wurde durch den in Samaria lebenden Yakobius ben Yakobius bekannt. Die Hauptstruktur dieser Musik stammt aber aus dem heutigen Gebiet Moldawiens und der Ukraine. Vergleicht man die heutige Musik auf dem Balkan mit der der ostreuropäischen Juden, so fällt einem die enge Verwandtschaft dazu auf. Die traditionsreiche Geschichte des Klezmer erfuhr durch den Holocaust eine Zäsur, da sie dort abrupt abbrach. Heute pflegen vor allem amerikanische Juden und Ultraorthodoxe in Israel die jiddischen Lieder, wie man auf dem Foto, das an der Stadtmauer der Jerusalemer Altstadt aufgenommen wurde, sehen kann.

Wust al-Balad: Rubabikiya

Die Band Wust al-Balad wurde im Jahre 1999 in der ägyptischen Hauptstadt Kairo gegründet. Inzwischen wuchs die Zahl der Bandmitglieder von anfänglich zwei auf acht an. Die Band versucht Soft-Rock mit Elementen arabischer Musik zu verbinden und wurde dadurch eine der bekanntesten Rockbands des arabischen Sprachraums. Ihre Wege führten sie bis nach Deutschland, wo sie bei einem Gig in Stuttgart, welches in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut veranstaltet wurde, vor etwa 10000 Menschen auftrat.

Ägypten: Kommt jetzt die dritte Revolution?

Foto: Hannah El
Demonstranten auf dem Tahrir-Platz Foto: Hannah

„Irhal“ steht auf eine Wand gesprüht. Auf Deutsch heißt dies so viel wie „verschwinde!“. Das Graffiti stammt aus den Tagen der Ägyptischen Revolution, die vor gut einem Jahr, inspiriert durch die Ereignisse in Tunesien, ausbrach. Was lange gärte ward endlich Wut. In den dreißig Jahren seiner Herrschaft hatte Mubarak vor allem durch Korruption, Vetternwirtschaft und Repression gegen politisch Andersdenkende den Zorn des 80 Millionen Einwohner zählenden arabischen Landes auf sich gezogen.  Von einer Wirtschaftsreform profitierte nur eine kleine Elite,  Energie- und Lebensmittelpreise stiegen drastisch, ein Großteil der Bevölkerung war bereits unter das Existenzminimum gerutscht. Als ein Bekannter von mir nach einjährigem Auslandsaufenthalt in der Hauptstadt Kairo nach Deutschland zurückkehrte, meinte er zu mir „…da braut sich etwas Gewaltiges zusammen. Ein Funke und es gibt einen riesigen Knall!“. Er sollte recht behalten. Am 25. Januar diesen Jahres setzte sich ein riesiger Protestzug in Bewegung. In allen Städten Ägyptens kam es zu Kundgebungen und schließlich zu einer Eskalation, teilweise mit bürgerkriegsähnlichen Szenen. Doch die Übermacht des Volkes konnte niemand aufhalten. Mubarak musste abdanken, das Militär übernahm von nun an die Macht und verkündete den Ägyptern einen Demokratisierungsprozess und Parlamentswahlen abhalten zu wollen. Doch seit einigen Tagen stehen erneut Zelte auf dem Tahrirplatz, Zehntausende Menschen gehen auf die Straße und fordern den Rücktritt des Militärregimes und die vollständige Abtretung der Macht an ein Parlament. Wiederholen sich nun die Ereignisse? Steht Ägypten einer neuen, einer dritten Revolution bevor? Falls ja, welche Gruppierungen werden als Sieger hervorgehen, etwa die vom Westen oft gefürchtete Muslimbruderschaft oder gar radikale Salafisten?

Orientkolloq hat versucht die Ereignisse grob chronologisch zu ordnen und für eine Prognose mit einer Augenzeugin der ersten Revolution und der renommierten Historikerin und Leiterin des Lehrstuhles für Islamwissenschaft der FU Berlin, Frau Prof. Dr. Gudrun Krämer, gesprochen. „Ägypten: Kommt jetzt die dritte Revolution?“ weiterlesen