Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern frohe Ostern 🙂
Let’s coexist!
Assad der lachende Dritte
Nachdem die großen syrischen Rebelleneinheiten vor gut zwei Wochen eine Großoffensive gegen die al-Qaida-Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) begannen (DerOrient.com berichtete), scheint sich eine Befürchtung innerhalb der Opposition zu bewahrheiten: Assad versucht von der Zerstrittenheit seiner Gegner militärisch zu profitieren.
ISIS musste unterdessen die meisten Stellungen im Großraum Aleppo räumen. Nord-Syrien war seit dem Beginn der Kämpfe und dem Sturm auf Aleppo im Juli 2012 fest in Rebellenhand. Unterstützt wurden die Rebellen vielerorts von salafistischen Jihadisten aus dem Ausland, die über besondere Kampferfahrung verfügten und daher als Spezialeinheiten der Rebellen fungierten. Doch diese fallen nun weg. Im Osten Syriens erleiden die syrischen Rebellen massive Verluste gegen die Kämpfer von ISIS, da diese über Nachschubrouten aus dem Irak verfügen. ISIS konnte die ost-syrische Stadt ar-Raqqa und das Umland inzwischen wieder unter militärische Kontrolle bringen.
Jetzt versuchen regimetreue Truppenkontingente genau an den Stellen vorzustoßen, die von den kampfstarken al-Qaida-Kämpfern zuvor geräumt worden waren. Al-Qaida verfährt bei seinem Rückzug nach dem Grundsatz „verbrannte Erde“. Droht die Einnahme eines Hauptquartieres oder einer Stellung durch die Freie Syrische Armee, die Islamische Front und deren Verbündete, werden alle Gefangenen zusammengetrieben und erschossen. Gelingt es einer al-Qaida-Einheit Rebellen gefangen zu nehmen, werden diese auf der Stelle exekutiert. Alle gegen al-Qaida kämpfende Rebellen werden als Ungläubige oder Apostaten angesehen und sind damit hinzurichten.
Nach Angaben des arabischen Nachritensenders al-Jazeera hat die Syrische Armee von Baschar al-Assad damit begonnen, strategisch wichtige Zugangsstraßen und Gebiete am Stadtrand der Wirtschaftsmetropole Aleppo zu attackieren und kann jetzt erfolgreicher vorstoßen, da große Kontingente der Rebellenbrigade im Kampf gegen al-Qaida gebunden sind. Unterstützt wird Assad inzwischen auch im Umland von Aleppo von schiitischen Jihadisten aus dem Irak und der libanesischen Hisbollah.
Analyse der Ereignisse der Revolution in Syrien von März 2011 bis Mai 2013:
Was man über den Syrienkonflikt wissen sollte
Eine Zusammenfassung der Ereignisse von der Schlacht um al-Qusayr Mitte 2013 bis heute ist in Bearbeitung
Themenverwandte Artikel:
Syriens Rebellen erklären al-Qaida den Krieg
Al-Qaida gegen al-Qaida?


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Die al-Qaida-Gruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien (ISIS) hat sich bereits vor einiger Zeit ihrem Vorgesetzten Aiman az-Zawahiri widersetzt. Eine zweite Gruppe, die ihm treu geblieben ist, beteiligt sich
jetzt an den Kämpfen gegen ISIS: Jabhat al-Nusra (auch Nusra Front). Dies erweckt den Eindruck, als versuche die globale al-Qaida-Führung ISIS als Abspaltung zu betrachten und zu bekämpfen, um mit der Nusra Front ihren Einfluss in Syrien weiterhin auszubauen. Ein Sieg über ISIS in Syrien bedeutet demnach noch lange kein Sieg über al-Qaida. Hierzu eine interessante Analyse:
Clint Watts: In Syria, an al Qaeda group falls victim to other Islamists and jihadists
Syriens Rebellen erklären al-Qaida den Krieg
Nachdem Aktivisten am Freitag zu einem „Day of Rage“ gegen die al-Qaida-Gruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien (ISIS/ISIL) aufgerufen hatten, hat eine breite Front an Rebellengruppierungen begonnen Stellungen und Hauptquartiere von ISIS zu attackieren.

In den vergangenen Wochen hatten Kämpfer von al-Qaida immer wieder Führer der Freien Syrischen Armee und der Aktivisten der säkularen und zivilen Widerstandsbewegung festgenommen, gefoltert und enthauptet. Zahlreiche ausländische Journalisten wurden entführt. Viele Revolutionäre, die zunächst die Hilfe von Jihadisten befürworteten, wandten sich schließlich gegen al-Qaida und warfen ihnen sogar Kollaboration mit dem Assad-Regime vor, da ISIS genau jene Aktivisten verhaftete, die auf den Listen des Regimes standen. „Syriens Rebellen erklären al-Qaida den Krieg“ weiterlesen
Interview: Was wollen Syriens Salafisten?
Am 22. November 2013 schlossen sich sieben islamistische Rebellengruppen in Syrien zur Dachorganisation Islamische Front zusammen. Diese beinhaltet die salafistische Gruppe Ahrar ash-Sham (dt. die Freien Groß-Syriens), die in ganz Syrien operiert, die Suqur al-Sham (dt. die Falken Groß-Syriens) aus Idlib, die bisher gemäßigt auftretende und früher unter Kommando der FSA kämpfende Liwa’u t-Tawhid (dt Einheitsbrigade) aus Aleppo, die Dschaisch al-Islam (dt. Armee des Islam) aus Damaskus, Liwa’u l-Haqq (dt. Wahrheitsbrigade) und die al-Dschabhat al-Kurdiya (dt. Kurdische Front). Die Islamische Front löste damit die Freie Syrische Armee als größte oppositionelle Kampforganisation (mit zwischen 45.000 und 60.000 Kämpfern) ab. Ziel der Islamischen Front ist die Etablierung eines Islamischen Staates. Doch gleichzeitig ist der Kampfbund ein Gegner der al-Qaida-Gruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien (ISIS bzw. ISIL).
Doch was wollen Syriens Salafisten? Was heißt für sie Scharia? Was sagen sie zu Frauenrechten, Rechten für Minderheiten, wie Christen, Schiiten, etc.?
Al-Jazeera hat sich mit dem Chef von Ahrar al-Sham und Leiter des Politbüros der Islamischen Front, Hassan Aboud, getroffen, um ihm diese Fragen zu stellen.
Ein frohes neues Jahr 2014
Liebe Leserinnen und Leser,
Das vergangene Jahr führte mich nach Marokko, in den Libanon und nach Israel/Palästina. Dort traf ich auf interessante Menschen, komplizierte Konflikte hautnah, wunderschöne Landschaften, Aktivisten, politische Streetart, islamische und orientalisch-christliche Kultur und vieles mehr. All das waren für mich sehr wertvolle und den Horizont erweiternde Erfahrungen.
Auch das Angebot von DerOrient.com konnte in dieser Zeit sehr ausgebaut werden. Ich danke für über 10.000 Besucher auf meinem Blog im Jahr 2013, die treue Stammleserschaft und hoffe auch 2014 wieder auf neue Orte und Menschen im Orient zu treffen, um darüber schreiben zu können.
Allen ein gesundes,gutes und gesegnetes Jahr 2014!
Fabian Schmidmeier
DerOrient.com wünscht Frohe Weihnachten!
Christlich-Arabischer Gesang
Als ich vor gut 2 Monaten in der arabischen Stadt Kfar Yasif in Nord-Israel unterwegs war, konnte ich unter anderem den Gesängen in einer evangelischen Kirche lauschen.
2 Jahre DerOrient.com
Zwei Jahre ist es nun her, dass dieses Blogprojekt ins Leben gerufen wurde. Anfangs noch den Namen „Orientkolloq“ tragend, stand es unter dem Eindruck der gewaltigen Umbrüche im Zuge des Arabischen Frühlings.
Zur damaligen Zeit hatte die Muslimbruderschaft enormen Rückenwind und ihre Ableger sollten in nahezu allen arabischen Staaten zu starken oder gar den stärksten Machtblöcken avancieren.
Der Blog startete mit einfachen Schnappschüssen aus dem Nahen Osten. Kurz darauf wurde ein eigentlich für die Orientalistenzeitschrift AKON geführtes Interview mit der Islamwissenschaftlerin Prof. Gudrun Krämer veröffentlicht.
Inzwischen gibt es zahlreiche Artikel, Fotogalerien und eine Liste informativer Dokumentationen. Außerdem wurde der Blog in „DerOrient.com“ umbenannt.
Allen Unterstützerinnen und Unterstützern und allen, die sich hin und wieder auf diese Seite verirren, möchte ich hierfür sehr sehr herzlich Danken!
Mit herzlichen Grüßen
Fabian Schmidmeier


