Rezension – Benjamin Idriz: Der Koran und die Frauen. Ein Imam erklärt vergessene Seiten des Islam

Der Koran und die Frauen von Benjamin Idriz„Gründe für den gesellschaftlichen Zusammenbruch in der muslimischen Welt gibt es viele, dennoch stehen ganz oben auf der Skala die Art und Weise, wie wir unsere Kinder in Bezug auf Frauen erziehen und, damit verbunden, das Unrecht, das den Frauen im Namen des Islam angetan wurde“ (S. 126). So schonungslos und kritisch analysiert der deutsche Imam Benjamin Idriz in seinem neuen Buch „Der Koran und die Frauen. Ein Imam erklärt vergessene Seiten des Islam“ Angehörige der eigenen Religion und den gegenwärtigen
Zustand in vielen islamisch geprägten Ländern. Es behandelt den gesamtgesellschaftlich äußerst kritisch und häufig polemisch diskutierten Themenkomplex „Islam und Frauen“. [weiterlesen…]

(zuerst erschienen bei der Hanns Seidel Stiftung: Unterdrückt oder gleichgestellt: Was steht wirklich im Koran?. Die Stellung der Frau im Islam. Eine Rezension von Benjamin Idriz‘ „Der Koran und die Frauen. Ein Imam erklärt vergessene Seiten des Islam“, in: Politische Studien: Abgehängt auf dem Land?, 2019 Nov./Dez. Nr. 488, S. 71-73.)

 

Asbab an-Nuzul: Die historische Methode als Tradition des Islam

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Vielerorts wird in Debatten die pauschalisierende Aussage, der Islam müsse noch eine „Aufklärung“ durchmachen und benötige dringend einen „muslimischen Martin Luther“ verkündet. Ob es angesichts der neosalafistischen Ideologie tatsächlich so sinnvoll ist, sich an jenem Luther zu orientieren, der in seinen „Judenschriften“ einen radikalen Antijudaismus predigte, 1543 die Vertreibung der Juden aus den evangelischen Fürstentümern erreichen und sich gerade bezüglich der hebräischen Bibel stärker am Ur-Wortlaut orientieren wollte, sei einmal dahingestellt. Von seiner Haltung gegenüber Ketzern einmal ganz abzusehen.

In der islamischen Theologie gibt es vielmehr seit den frühesten Jahrhunderten islamischer Zeitrechnung eine Art „historisierende Methode“, die seit jeher ein fester Bestandteil der Koranexegese und Textauslegung ist. Diese asbab an-nuzul (dt. „Anlässe der Offenbarungen“) stellen die einzelnen Koranverse mithilfe von Überlieferungen in einen historischen Kontext, auf dessen Basis sich das Produkt der Auslegung oftmals grundlegend vom Wortlaut des jeweiligen Verses unterscheidet. Wäre es statt einem „muslimischen Luther“ und einer „Aufklärung“ daher nicht sinnvoller, Neuinterpretationen auf Grundlager einer Rückbesinnung auf traditionelle islamische Auslegungsformen zu erwirken?

Auf die Rolle der in der öffentlichen Diskussion um „den Islam“ aber auch im innermuslimischen Diskurs gänzlich untergehenden „Offenbarungsanlässe“ geht folgende wissenschaftliche Arbeit ein [Arbeit hier lesen … ]

Idschtihad und die Dynamik des islamischen Rechts

Bildschirmfoto 2015-03-01 um 21.03.25Das ist im Islam so.

Achso und was heißt das? Diese Pauschalaussage ist oft zu hören, wenn es um das islamische Recht geht. Doch wie sieht eigentlich islamische Rechtsfindung und die Ergründung ethischer Normen aus? Wie geht ein islamischer Gelehrter auf der Suche nach „der Scharia“ (Scharia=Gesamtheit aller islamischer Werte und Normen und NICHT drakonische Hadd-Strafen) eigentlich vor? Welche Rolle spielen Vernunft und eigenständiges Räsonnement (Idschtihad)? Ist das alles heutzutage mit Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu vereinbaren? Die zweite im Rahmen des Café Abraham erschienene wissenschaftliche Arbeit gibt darüber Aufschluss

Die Arbeit finden Sie hier.